Aus Mobbern können wir keine besseren Menschen machen, besonders wenn sie der „hartgesottenen“ Sorte der Psychopathen oder schweren Narzissten angehören. Letztere könnte man auch einfach „Menschen mit psychopathischer Persönlichkeitsstruktur“ (eine etwas abgeschwächte Form der Psychopathie) nennen, wie Bäbel Mechler in ihrem Buch „Von Psychopathen umgeben“ es tut. Auch hier wird auf die Entdeckung der Spiegelneuronen hingewiesen, wobei die Hirnaktivitäten der Psychopathen ein abweichendes Muster zeigen. Im Gegensatz zu Personen der Kontrollgruppe reagieren sie kaum auf Bilder und Filme, wo andere Menschen Schmerzen erleiden: Siehe meine Ausführungen am Ende des Beitrages „Narzissmus und Psychopathie als Grundlagen von schwerem Mobbing“.

Im Dunstkreis von Psychopathen versuchen normal empfindende Menschen oft auf „bewährte“ gütliche Weise Konflikte zu lösen. Sie versuchen es z.B. mit gut zureden, vernünftigen Argumenten, berechtigten (logisch nachvollziehbaren) Vorwürfen, oder (z.B. in Betrieben) mit erhöhten Anpassungsleistungen, die bis zur völligen Erschöpfung gehen können. Doch „ticken“ Psychopathen völlig anders und sehen all diese Bemühungen oft nur als Schwäche an. Sie setzen sich mit unglaublicher Selbstverständlichkeit über die Rechte anderer Menschen hinweg und fühlen sich keinerlei ethischen Standards verpflichtet. Gerade weil bittere Erfahrungen mit Psychopathen so abartig und „anders“ sind als Gewohntes, können wir jedoch sehr viel von ihnen lernen. Da wir diese Menschen nicht ändern können, ist die Konsequenz daraus, dass wir uns vor ihnen schützen und die grösstmögliche Distanz, v.a. auch innerlich, zu ihnen schaffen sollten. Doch die äussere Situation zu verändern, ist oft nicht so einfach. Die Opfer können schwere Ängste und Panik empfinden angesichts des für sie unverständlichen Verhaltens dieser Ungeheuer.  Gerade deshalb sollten sie trotzdem den Mut finden, den Mobbern im Bereich des Möglichen entgegenzutreten. Denken Sie an Feuerwehrleute, die durchaus Angst verspüren bei gefährlichen Einsätzen, aber trotzdem in brennende Häuser stürmen – allerdings nicht planlos und ohne Schutz.

Die Kommunikationsberaterin und Energietherapeutin Bärbel Mechler zeigt, wie man sich ein Repertoire an Handlungskompetenzen aneignen kann, um Mobbing betreibenden Psychopathen zu begegnen. Präzisierung: Die Anleitungen eignen sich für verbales offenes Mobbing einzelner Personen, nicht von ganzen Gruppen. Ausserdem: In wirklich krassen Fällen wie körperlichen Attacken und Bedrohungen sollte rechtzeitig die Polizei beigezogen werden. Zurück zum Handlungsrepertoire: Auch die Körpersprache sollte nicht vernachlässigt werden. Nicht nur beeinflussen unsere Gefühle die Körperhaltung, sondern auch umgekehrt. Eine in sich zusammengefallene Haltung fördert Gefühle von Hoffnungslosigkeit, Mangel, Entbehrung. Eine „königliche“ Haltung hingegen verbessert den Energiezufluss und stärkt auch das Gefühl für den eigenen Wert und die Menschenwürde. Generell ist es wichtig, „dranzubleiben“, kontinuierlich Beharrlichkeit und Rückgrat zu zeigen und sich durch allfällige Rückschläge nicht entmutigen zu lassen. Denken Sie stattdessen umgekehrt: Etwa dass das Glas nicht halbleer ist, sondern halbvoll. Oder so: In einer schwierigen Situation die Fassung nicht zu verlieren, ist eine Einzahlung auf mein Selbstwertkonto.“ Tatsächlich sollten Ihre Leistungen honoriert werden, besonders von Ihnen selbst.

Einige Beispiele:

Angenommen, Sie werden von einem unerwarteten verbalen Angriff  überrumpelt und wissen im Moment nicht, wie Sie reagieren sollen, sind verunsichert und verstört. Dann sagen Sie am besten im Moment nicht viel und lassen sich Zeit, kündigen höchstens an, dass Sie später über die Sache reden möchten. Zu einem späteren Zeitpunkt sagen Sie dann etwa: „Ich möchte auf unser Gespräch zurückkommen, da ich mit dem Ausgang nicht glücklich bin. Schliesslich verspricht eine Lösung nur dann langfristig Erfolg, wenn sie von allen Beteiligten getragen wird.“ Falls ein Angriff mit lauter Stimme vorgetragen wird, dann können Sie auch konkret auf diese Tatsache eingehen, z.B. so: „Ich sehe Ihr grosses Bemühen, mich mit Lautstärke zu beeindrucken. Aber ich muss Sie enttäuschen, denn Entgleisungen dieser Art zeugen immer von Schwäche und ganz bestimmt nicht von Stärke.“ Manchmal hilft es, Psychopathen zu zeigen, dass man nicht nur ihre Maske wahrnimmt, sondern auch das, was dahinter ist. So kann man z.B. fragen: „Ist gerade etwas Schlimmes passiert? Sie wirken nervös. Sagen Sie bitte Bescheid, wenn ich etwas für Sie tun kann.“ Das wird dem Psychopathen nicht gefallen, möchte er doch unter allen Umständen als souverän und überlegen wahrgenommen werden. Bewährt hat sich oft auch als Lob getarnte Kritik, etwa so: „Ich weiss, dass Sie Ihre schlechte Laune an uns auslassen, weil Sie hier unterfordert sind. Aber dafür können wir nichts. Sie sollten sich ein Aufgabengebiet suchen, dass ihnen und Ihren Möglichkeiten Rechnung trägt, dann geht’s Ihnen und uns allen besser.“ Es mag mühsam erscheinen, aber bei rücksichtslosen Menschen lohnt es sich, alle Möglichkeiten zu nutzen, um ihnen zu zeigen, dass man sich nicht alles gefallen lassen will. Haben Sie „Exemplare“, an denen Sie üben können, dann gelingt Ihnen dies mit der Zeit immer besser, was sich auch positiv auf die Selbstachtung auswirkt.

Zuguterletzt: Nicht bei jeder kleinen Provokation lohnt es sich, auch darauf zu reagieren – besonders dann nicht, wenn Sie eher zu Denjenigen gehören, denen schlagfertige Antworten erst am nächsten Tag einfallen… Die beste Strategie ist dann: Zum einen Ohr rein, zum anderen Ohr wieder raus, d.h. die Provokation ignorieren. Denken sie an den Tiger: Der schnappt auch nicht nach jeder Fliege (davon würde er eh nicht satt…).


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