Diese werden meistens von Psychologinnen und Psychologen durchgeführt, die einen Abschluss in Psychologie an der Universität oder einer vergleichbaren Institution haben. Verschiedene Therapien werden bereits in der Ausbildung durchgenommen, inklusive praktischer Übungen/Supervision. Dies trifft besonders für die klassische Gesprächstherapie nach Rogers zu. Die Psychologen haben nach ihrem Abschluss also bereits das „Rüstzeug“, um psychologisch zu arbeiten. Nur können sie – ausser in einer entsprechenden Institution/ Klinik – ihre Dienste normalerweise nicht über die Krankenkasse abrechnen lassen. Die Föderation der Schweizer Psychologen FSP hat dann, in Zusammenarbeit mit anderen Psychologie-Verbänden, zumindest durchsetzen können, dass Psychologen eine (teure) Zusatzausbildung in einer Therapieform (meistens Gesprächstherapie) machen können, um die offizielle Praxisbewilligung mit dem Recht auf Krankenkassenabrechnung zu bekommen. Um des Wettbewerbsvorteils willen machen heute immer mehr Psychologen davon Gebrauch. Man muss aber deutlich sagen: Die menschliche und therapeutische Qualität eines Psychologen oder einer Psychologin hängen nicht von dieser Krankenkassenberechtigung ab.

Übrigens: Die meisten heute praktisch tätigen Psychologinnen und Psychologen mit Universitätsabschluss haben noch das Lizentiat gemacht. Vor einigen Jahren wurde das Lizentiat für alle Geisteswissenschaften abgeschafft und durch den international bekannten Titel Master ersetzt, so dass Neuabsolventen jetzt den Titel Master haben, aber auch wir „Alten“ dürfen uns Master nennen – wenn wir wollen.

Eine gute psychologische Beratung sollte bereits schon therapeutische Ansätze in sich tragen, die Klienten sich in ihren Anliegen verstanden fühlen. Bei den Therapien gibt es viele Möglichkeiten, die für Mobbing-Betroffene hilfreich sein können. Meiner Ansicht nach ist der gute Rapport zwischen Therapeuten und Klienten wichtiger als die Therapieform. Und speziell wichtig für Mobbing-Betroffene ist dabei, dass sie sich in ihrem Leiden verstanden und ernst genommen fühlen. Das vorrangige therapeutische Ziel muss zunächst einmal sein, dem Betroffenen zu helfen, wieder zu seiner Menschenwürde zu finden.

Trotzdem ein paar Worte zu den Therapien: Hier geht es nicht um praktische Ratschläge wie z.B. bei rechtlichen und anderen praktischen Vorgehensweisen (siehe dort), sondern um Verständnis, Unterstützung, Selbstreflexion, letzten Endes um Hilfe zur Selbsthilfe. In der klassischen Klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Rogers heisst es sogar rigoros: „Ratschläge sind Schläge“. Ich möchte es vergleichen mit einem Physiotherapeuten, der den Patienten wenn möglich nicht in einen Rollstuhl setzt, wenn man mit ihm Laufübungen machen, seine Eigenkräfte mobilisieren kann. Wenn dies funktionieren soll, darauf legt der Ansatz nach Rogers grossen Wert, sind v.a. drei Voraussetzungen wichtig:

  1. Bedingungslose positive Akzeptanz und Wertschätzung der Klienten durch den Therapeuten,
  2. Echte Empathie (Einfühlungsvermögen),
  3. Authentizität, „Selbstkongruenz“ des Therapeuten.

Ein Vorteil der Gesprächstherapie ist auch ihre Flexibilität, dass sie bei Bedarf auch mit anderen Therapieformen kombiniert werden kann.

Weitere Beispiele: Die systemische Therapie, die das familiäre und soziale Umfeld des Klienten mit seinen Interaktionen ins Zentrum setzt. Die Gestalttherapie, bei der es zentral um eine Verfeinerung der Bewusstheit aller gerade zugänglichen Gefühle, Gedanken, Empfindungen geht, um automatisierte unbewusste Verhaltensweisen ins Bewusstsein und damit der Änderungsmöglichkeit durch den Klienten besser zugänglich zu machen.

Die älteste, bekannteste klassische Therapieform ist natürlich die Psychoanalyse, die von Sigmund Freud erfunden wurde. Sie dauert meistens länger als die oben erwähnten Therapien und ist geeignet für alle, die sich tiefer mit ihrer individuellen Vergangenheit und auch frühkindlichen Erlebnissen auseinandersetzen oder – im Falle einer Ausbildung – eine Lehranalyse machen wollen. Dies wäre für viele Mobbing-Betroffenen zuviel. Doch gibt es auch die Möglichkeit einer kürzeren psychoanalytisch orientierten Psychotherapie. Dabei liegt der Klient meistens auf einer Couch. Ein wichtiges Mittel ist das freie Assoziieren über alles, was gerade durch den Kopf geht. Das Ziel ist dabei, zu einem besseren Kontakt zum Unbewussten zu gelangen und in einer angstfreien Atmosphäre Probleme, die ihren Ursprung in der Vergangenheit haben, zu bearbeiten. Wertvoll ist auch die Sensibilisierung der Psychoanalyse für das Phänomen der Übertragung: Menschen, die problematische Erfahrungen mit Eltern oder anderen Bezugspersonen gemacht haben, übertragen dies oft unbewusst auf Menschen der Gegenwart wie z.B. den Chef, einen Partner oder Partnerin. Dann kann es hilfreich sein, sich dessen bewusst zu werden, um die Übertragung aufzulösen.

Generell gilt für alle Therapien: Wenn sie wirksam sein sollen, geht es nicht nur um das bessere Verstehen von Zusammenhängen und das Analysieren. Sondern es geht auch darum, psychische Ressourcen, Stärken und Bewältigungsmöglichkeiten zu entdecken und zu fördern, Selbstwert wieder aufzubauen, die Menschenwürde wieder zu finden.


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